Push Nachrichten – Benutzer erfreuen oder verärgern?

E-Mail gibt es seit den 1980er Jahren und seit Jahrzehnten wird sie immer wieder totgesagt. Bisher war es so, dass alle neuen Entwicklungen unser altbewährtes Kommunikationsmedium ergänzt haben, nicht verdrängt.

Nicht anders wird das sein mit den Push Nachrichten (Push Notifications). Das sind die kleinen Hinweis-Fenster, die Webbrowser gelegentlich anzeigen. Die Meisten kennen das nur als seltenes Phänomen, die begeisterte Nutzerschaft scheint sich bisher in Grenzen zu halten.

Aber bieten sie ein Potenzial fürs Marketing?

Generell sind für uns Marketer ja alle neuen Wege spannend, Informationen zu den Kunden/Interessenten zu bringen. Jeder neue Kanal ist willkommen. Aber bietet dieser Chancen?

Kollegen berichten von traumhaften Klickraten bei Push Nachrichten – breiter angelegte Studien zu dem Thema gibt es aber meines Wissens noch keine.

Was sind Push Nachrichten?

Push-Nachrichten kennt jeder vom Smartphone: Kleine Texthinweise, die auf dem gesperrten Bildschirm erscheinen. Sie weisen zum Beispiel darauf hin, dass eine neue SMS oder WhatsApp-Nachricht gekommen ist. Oder dass es Zeit ist für das tägliche Training.

Nicht jeder kennt aber Push Nachrichten (Push Notifications) auf dem Desktop-Computer. Unter Windows erscheinen sie normalerweise unten rechts, unter Mac oben rechts. Die Nachrichten kommen hier meist von Programmen, die den Benutzer über Neuigkeiten informieren – etwa neue E-Mails, abgeschlossene Aufgaben u.v.m.

Generell steht diese Möglichkeit allen Programmen auf dem Computer offen, und so können auch Browser Push Nachrichten schicken. Und hier wird es interessant: Sie als Betreiber einer Website können den Browser veranlassen, eine Push Nachricht über das Betriebssystem zu schicken – und so für Ihr Angebot aktiv Werbung machen.

Wie funktionieren Push-Nachrichten?

Screenshot Opt-In Push Nachrichten

Opt-In für Push-Nachrichten im Browser

Aus Nutzersicht gehen Browser Push-Notifications so:

Er besucht eine Website und es erscheint ein kleines Fenster, in dem er gefragt wird, ob er in Zukunft Nachrichten von der Site empfangen will. Das ist sein Opt-In.

In Zukunft erscheint jedes Mal, wenn der Betreiber der Site es auslöst, eine Nachricht des Betriebssystems. Auch dann, wenn der Browser geschlossen ist.

Neben den Browser-Push-Nachrichten gibt es natürlich noch Push-Notifications von Apps. Das heißt, der Nutzer hat ein Programm installiert, welches ihm Nachrichten schickt. Am bekanntesten ist das von Smartphones: Die Apps machen mit solchen Nachrichten gelegentlich auf sich aufmerksam.

Das kennen Nutzer und sie wissen auch, wo man die Nachrichten deaktiviert, wenn eine App zu häufig auf sich aufmerksam macht oder die Nachrichten nicht genügend Relevanz haben.

Aus Betreibersicht funktionieren Push-Notifications so:

Screenshot Push Nachricht

Solche Push-Nachrichten kann ich dem Nutzer schicken, hat er einmal zugestimmt.

Ich installiere auf meiner Website ein Script, welches das Opt-In-Formular anzeigt. Bestätigt der Nutzer das, wird einerseits auf dem Rechner gespeichert, dass der Nutzer dieser Site seine Erlaubnis zu Benachrichtigungen erteilt hat. Andererseits wird das an einen Server weitergeben und gespeichert.

Ein solches Script kann man natürlich selbst entwickeln. Wer WordPress nutzt, kann auf ein kostenpflichtiges PlugIn zurückgreifen (mit dem einfachen Namen Push Notifications for WordPress). Dieses hat den Vorteil, dass die Daten in der eigenen WordPress-Installation bleiben und kein anderer Server beteiligt ist. Datenschutztechnisch interessant.

Es gibt auch eine sehr gute kostenlose Lösung, die sowohl mit WordPress als auch mit anderen Sites funktioniert. Dabei läuft die Kommunikation über den Server des Anbieters. Der Anbieter schreibt aber ganz offen, dass er sein Geld damit verdient, die gewonnenen Nutzerdaten an Werbetreibende und Forschungsinstitute zu verkaufen.

Weitere Anbieter, die ähnliche Dienste anbieten, sitzen größtenteils in den USA – was die bekannten Probleme mit den Datenschutzgrundverordnung nach sich zieht.

Spannend sind aber die Möglichkeiten: Habe ich die Erlaubnis, kann ich dem Nutzer gezielt und personalisiert Nachrichten zeigen. Ich kann dabei leicht darauf reagieren, was er auf meiner Website getan hat. Der Hinweis auf stehen gelassene Einkaufswägen ist ein gern zitiertes Beispiel für den gelungenen Einsatz von Push-Nachrichten. Aber auch personalisierte Angebote oder andere Formen des Re-Targeting sind denkbar.

Sind Push-Nachrichten für mein Marketing geeignet?

Um die Frage zu beurteilen, ob Push-Nachrichten für meinen persönlichen Einsatzzweck geeignet sind, versetzen wir uns in unsere Nutzer: Eine Push-Benachrichtigung wird, wie der Name sagt, dem Nutzer aktiv angezeigt. Nicht er entscheidet, wann er die Nachricht sehen will, das machen wir als Inhaltsanbieter bzw. sein Browser.

Anders als bei E-Mail kommt die Nachricht zu einem Zeitpunkt, den der Nutzer sich nicht ausgesucht hat. Die meisten Menschen haben schon lange die Funktion deaktiviert, über jede einzelne eintreffende E-Mail benachrichtigt zu werden. Sie öffnen ihr Mailprogramm, wenn sie gerade Zeit haben.

Unter Informationsmangel leidet heute kaum jemand. Die meisten versuchen eher, die Flut an Informationen, die täglich auf sie einstürzt, in den Griff zu bekommen.

Nur die wirklich wichtigen Infos wollen sie in Echtzeit bekommen. Wenn die SmartHome-App meldet, dass zu Hause die Heizung ausgefallen ist. Wenn ein neues Paket mit dem aktuellen Schnäppchen endlich in der Packstation bereit liegt. Oder wenn eine Unwetterwarnung vorliegt und gebuchte Züge wie Flüge ausfallen.

Das bedeutet: Wir müssen uns sehr gut überlegen, ob unsere Push-Nachrichten für den Empfänger so relevant sein können, dass dieser diese in dem Moment, in dem er sie bekommt, auch tatsächlich zu schätzen weiß. Oder ob er die Nachricht eher ignoriert. Oder sie sogar als störend empfindet.

Wenn wir diese Relevanzkriterien erfüllen, sind Push-Notification ein hoch interessantes Thema für uns. Wenn uns aber nichts Besseres einfällt, als den Nutzer darauf hinzuweisen, dass es einen hervorragenden neuen Artikel im Blog gibt, dann sollten wir unsere Energie eher an anderer Stelle einsetzen.

Hintergründe zur Technik mit Beispielen zum Testen gibt es auf Englisch beim Firefox-Entwickler: Using the Notifications API

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Über den Autor:
Jens Jacobsen

Jens Jacobsen ist Gastautor für das Evalanche-Blog und arbeitet seit 1998 als Konzepter und Berater fürs Web. Er unterstützt etablierte Unternehmen wie auch Startups beim Erstellen von Websites, Apps und interaktiven Anwendungen. Sein Schwerpunkt liegt darauf, die Sicht der Kunden und Nutzer von Anfang an einzubringen.

Er befasst sich mit User und Customer Experience, untersucht Bedürfnisse, Erwartungen und Verhalten der Nutzer und optimiert mit diesem Wissen Bestellprozesse wie auch die gesamte digitale Kommunikation. Auch hilft er Unternehmen bei der Neukundengewinnung und Marketing Automation.

In seinen Büchern „Website-Konzeption“ (1. Auflage 2001, 8. Auflage 2016) und „Praxisbuch Usability & UX“ (2017) gibt er sein Wissen weiter, ebenso bei Coachings und Seminaren.

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